Titelbild Unter dem Riesen Sprejnik
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Dez 10, 2020

Unter dem Riesen Sprejnik

Was für ein buntes Treiben an einem schönen, aber frischen Oktobertag in Bautzen. Und mittendrin Thomas Hentschel. „Bei mir kann jeder mitmachen“, antwortet der Integrationslotse des Kreissportbundes auf die Frage eines Jungen, ob er mitspielen dürfte. Mitspielen war das Stichwort bei der Eröffnung des neuen Spielparkes „Sprejnik“ im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen.


Auf der großen und üppig ausgestatteten Parkfläche steht auch ein modernes Street-Soccer-Feld, mit bestem Kunstrasen, Banden und hohen Fangnetzen, falls doch mal ein Ball nicht ganz so genau gezielt wird. Denn das kann passieren, weil viele Hobbykicker dieses Angebot nutzen können. Zielgenauigkeit verspricht zumindest die große Holzfigur der sorbischen Sagengestalt namens Sprejnik, ausgestattet mit Pfeil und Bogen. Thomas Hentschel koordiniert die Trainingseinheiten im Rahmen des ESF-Projekts zur Sportförderung in Stadtteilzentren. Das Projekt läuft mittlerweile fast ein Jahr und erfreut sich immer größerer Beliebtheit bei Kindern und Jugendlichen.

Etwa zwei Kilometer entfernt, in einer Bautzener Turnhalle, erklingen laute Basstöne. Anja Schuppan, ebenfalls Mitarbeiterin des Kreissportbundes, übt mit einem Dutzend Frauen in der Sportart Aerobic. Das Besondere: Es handelt sich hierbei um Bürgerkriegsgeflüchtete, vor allem mit muslimischem Glauben. Ruba, Ranja und Tahang sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und helfen ehrenamtlich bei der Caritas, damit diese Sportgruppe zusammenkommt. „Leider finden wir keine passende Möglichkeit, um unter uns Sport zu machen. Wir kommen in kein Fitness-Studio oder in eine Schwimmhalle.“, berichtet die Syrerin Ruba. Sie und ihre weiblichen Sportfreundinnen kamen 2015 nach Deutschland, lernten die Sprache und sind nun bemüht, sich in die Gesellschaft einzubringen. Den Frauen fällt es schwer, da es aufgrund ihrer Religion und Lebensweise immer wieder Einschränkungen an der Teilhabe gibt. Der Kreissportbund Bautzen versucht hier zu vermitteln, ebenfalls im Rahmen des ESF-Projekts. Ziel dabei ist es, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebensumstände den Weg in den organisierten Sport zu ebnen. „Wir bieten zunächst regelmäßige Termine in Bautzen an und schauen dann, wer zu welchem Sportverein gehen könnte“, ordnet Hentschel ein. Er steht auch als Ansprechpartner für eben diese Teilhabe im Bereich der Integration und Inklusion zur Verfügung.

Am Ende aller Sporteinheiten, sowohl bei den kickenden Kindern als auch bei den Aerobic-Damen, alle waren gut erschöpft, aber glücklich. Und das ist wohl das Wichtigste beim gemeinsamen Sporttreiben.


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